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Das Leonardokonzept

Ausgangslage

Der reguläre Schulunterricht in den Niederlanden ist nicht abgestimmt auf das Potenzial sowie auf den Bildungsbedarf von hochbegabten Schülern. Das ist auch nicht weiter erstaunlich, denn hochbegabte Kinder haben gegenüber ihren Altersgenossen zumeist einen Entwicklungsvorsprung von vielen Jahren. Ihre Art zu denken und zu lernen unterscheidet sich von der der meisten anderen Kinder.

Eine großangelegte Studie, an der 2700 Lehrkräfte teilgenommen haben, hat gezeigt, dass fünf von sechs Lehrkräften nicht in der Lage sind, Hochbegabung zu erkennen. Etwa dieselbe Anzahl von Lehrkräften hat darüber hinaus angegeben, hochbegabte Kinder nur unzureichend betreuen zu können.

Das Ergebnis davon ist, dass viele hochbegabte Kinder sich nicht entsprechend ihrer Fähigkeiten entwickeln können. Ihnen bleibt keine andere Wahl, als sich an das Lernniveau ihrer Gruppe anzupassen, sie sind unterfordert, sie haben keine Freude mehr am Lernen und an der Schule und verlieren ihre natürliche Neugierde, verhalten sich abweichend und geraten zunehmend in die soziale Isolierung. Eine große Anzahl dieser Kinder entwickelt psychosomatische Beschwerden, manche weisen sogar suizidale Tendenzen auf.

Eine solche Entwicklung geht nicht nur auf Kosten der betroffenen Kinder und ihrer Eltern, sie stellt auch für unsere Gesellschaft ein unerwünschtes Hindernis dar, insbesondere deshalb, da heute mehr und mehr auf eine Ökonomie des Wissens gesetzt wird.

 

Ziele

Wesentliches Ziel der Stiftung Leonardoschulen Niederlande ist, sicherzustellen, dass hochbegabte Kinder sich innerhalb einer lernförderlichen und hindernisfreien Umgebung in ihrem eigenen Tempo entwickeln können.

Darüber hinaus ist die Stiftung um eine gute Zusammenarbeit und eine bessere Abstimmung zwischen Unterichtswesen und Wirtschaft bemüht und setzt sich in diesem Sinne für eine stärkere Bindung zwischen universitärem Unterrichtswesen und der niederländischen Wissensökonomie ein.

 

Realisierung

In den nächsten fünf Jahren will die Stiftung ein landesweites Netzwerk von Leonardoschulen für hochbegabte Kinder und Schüler/-innen im Alter von vier bis 12 Jahren implementieren. Darüber hinaus sind weiterführende Leonardoschulen für die Altersstufen ab 12 bis 18 Jahren geplant. Diese Schulen sollen als Bestandteil bereits bestehender Schulbetriebe eingerichtet werden. Auf diese Weise werden die Schüler/-innen nach dem Leonardokonzept unterrichtet, bleiben aber gleichzeitig auch in engem Kontakt mit ihren Altersgenossen.

Das Vorhaben wird in einem Zeitraum von vier Jahren wissenschaftlich durch die Rijksuniversiteit Groningen begleitet, die die Ergebnisse unter Gesichtspunkten einer didaktischen und sozial-emotionalen Entwicklung festhält und auswertet.

Im Anschluss an diese Untersuchung ist eine Anerkennung der Leonardoschulen als eine besondere Form des Unterrichtswesens durch das niederländische Staatsministerium angestrebt.

 

Methode

Die individuelle Entwicklung des Schülers/der Schülerin steht an den Leonardoschulen im Mittelpunkt. Jede/r Schüler/-in kann in seinem persönlichen Tempo die einzelnen Fächer wie Sprachen und Mathematik, Erdkunde, Geschichte, Naturwissenschaften etc. erarbeiten und in der sogenannten “Leonardozeit” nach belieben vertiefen.

Neben der kognitiven Entwicklung liegt eine starke Betonung auf den Fächern Kunst, Kultur, Tanz, Theater, Musik und Sport (wozu auch Denksportarten zählen).

Im Fach Philosphie widmen sich die Schüler speziellen Begebenheiten und Lebensfragen; in Diskussion miteinander bilden sie sich eine Meinung darüber.

Der Umgang mit Hochbegabung soll zu einer vertieften Einsicht in die eigene Realität als Hochbeabte/r führen sowie zu der Fähigkeit, mit Menschen unterschiedlichen Bildungsniveaus kommunizieren zu können.

Anhand der Fächer Informatik und Multimedia erwerben die Schüler Fähigkeiten und Kenntnisse über moderne Informationstechniken und -systeme. Dabei steht jedem Schüler und jeder Schülerin ein eigener Laptop zur Verfügung, den er/sie kontinuierlich als Arbeitsinstrument verwenden kann.

In dem Unterrichtsfach “Lernen zu lernen” werden den Schülern die verschiedenen Instrumente und Methoden des Lernens vorgestellt, zum Beispiel: wie funktioniert Lernen im Gehirn, Zusammenfassungen erstellen, Mindmapping-Methode, das Lernen planen, Gedächtnistraining und -techniken, Lesemethoden, Lehrmethoden etc.

In dem Fach “Kreatives Unternehmertum” geht es nicht allein darum, die Grundbegriffe des Geschäftslebens zu vermitteln (Businessplan, Realisierung, Herstellungspreis etc.), sondern die Schüler sollen vor allem eine unternehmerische und forschende Einstellung gewinnen können, die es ihnen erlaubt, je nach Interessegebiet Kenntnisse eigenständig zu erwerben und Zusammenhänge zu untersuchen – Eine Herangehensweise, die im regulären Schulunterricht oftmals fehlt.

In der freien “Leonardozeit”, die für selbstständige Forschungen zur Verfügung steht, können die Schüler anwenden, was sie in den Fächern “Lernen zu lernen” und “Informatik” neu kennengelernt haben. Hier soll der individuelle “Forschergeist” geweckt und stimuliert werden.

Hochbegabte, die wissen, wie Lernen funktioniert (“Lernen zu lernen”) und welche Methoden und Mittel sie am besten verwenden können, um Wissen zu erwerben (“Informatik”/”Multimedia”) und die darüber hinaus genügend individuellen Raum erhalten, dieses Wissen nach Belieben zu vertiefen, denen steht praktisch jede Richtung und Laufbahn offen.

Schließlich sind noch die Fremdsprachen zu nennen, die alle von Muttersprachlern unterrichtet werden: Englisch ab dem vierten Lebensjahr, Spanisch ab dem achten Lebensjahr.

Wesentlich bei all dem bisher Genannten ist die Lernmethode. Neuer Unterrichtsstoff wird zunächst im Gesamtkontext betrachtet, um sich daraufhin mit Teilaspekten auseinanderzusetzen. Dabei wird von einem holistischen Ansatz ausgegangen, während der reguläre Unterricht zumeist andersherum arbeitet: zunächst werden methodisch alle Teilaspekte bearbeitet, um erst dann zu einer Schlussfolgerung zu kommen.

 

Anwendung

Die Entwicklung der Schüler und Schülerinnen wird täglich und ausführlich dokumentiert. Diese Berichte und Portfolios geben auf lange Sicht Hinweise auf mögliche Lernziele – sowohl was Wissen und Kompetenzen angeht als auch was das sozial-emotionale Verhalten betrifft.

 

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